Ausgangsbeschränkung bleibt vage


Corona-Krise: Verunsicherung unter Bürgern wächst – Viele legen Vorräte an

Einen Tag nachdem Präsident Hage Geingob zur Vorbeugung einer möglichen Ausbreitung des Corona-Virus eine 21-tägige Ausgangsbeschränkung für die Regionen Khomas und Erongo verhängt hat, ist den davon betroffenen Einwohnern nicht klar, was ihnen in dieser Zeit erlaubt und verboten ist. Die Ungewissheit drückte sich gestern bereits in Hamsterkäufen aus.


Von Marc Springer, Windhoek Die Namibische Rundfunkgesellschaft (NBC) versuchte am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion mit dem ehemaligen Gesundheitsminister und Sonderberater des Präsidenten, Bernhard Haufiku, dem Pressesprecher des Staatshauses, Dr. Alfredo Hengari und dem Staatssekretär des Gesundheitsministeriums, Ben Nangombe, Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei betonte alle drei Gäste, der von ihnen als drastisch beschriebene Schritt sei ohne Alternative, um eine Ausbreitung von COVID-19 zu verhindern. Dass die am Donnerstag um Mitternacht in Kraft tretende Maßnahme nur für Khomas und Erongo (inklusive der in Otjozondjupa bzw. Hardap liegenden Ortschaften Okahandja und Rehoboth) gilt, begründete Haufiku damit, dass sämtliche der sieben bisher bestätigten Corona-Fälle über den internationalen Flughafen Hosea Kutako „importiert“ worden und damit in der Region Erongo aufgetreten seien. Ferner sei der „Austausch“ von Menschen und Gütern zwischen der Hauptstadt Windhoek und der Hafenstadt Walvis Bay besonders stark und die umliegende Region dieser beiden Ortschaften folglich stärker als andere von einer COVID-Verbreitung bedroht. Hinsichtlich der Ausgangsbeschränkung versicherte Haufiku, die „praktischen Maßnahmen“ der Ausgangsbeschränkung würden noch präzisiert. Generell gelte, dass sämtliche Einwohner der beiden Regionen ab Freitag zu Hause bleiben und sich nicht mehr als zehn Personen an einer Stelle versammeln sollten. Ausnahmen würden sogenannte „essentielle Dienstleister“ wie Polizisten, Soldaten, Ärzte, Krankenpfleger, Feuerwehrleute und bedingt auch Medienvertreter bilden, die sich zur Ausübung ihrer Arbeit weiterhin frei bewegen dürften. Gleichzeitig betonte er, diese Vorgaben seien „nicht in Stein gemeißelt“ und Sonderregelungen bei Härtefällen möglich. Obwohl der Personenverkehr zwischen Khomas und Erongo „unterbunden“ werden würde, bedeute dies nicht zwangsläufig, „dass jemand, der in Khomas oder Erongo sesshaft und am Freitag ohne eigenes Verschulden außerhalb dieser Regionen gestrandet sei, an der Heimkehr gehindert werden wird“. Dem fügte Hengari hinzu, dass die Reisebeschränkungen innerhalb Namibias und die Grenzschließung zu den Nachbarländern nicht für den Fracht- und Warenverkehr gelten würden. Deshalb sei auch die Versorgung der Bürger weiterhin gewährleistet und Hamsterkäufe auch deshalb „unnötig und kontraproduktiv“, weil die Supermärkte auch während der Ausgangsbeschränkung weiter geöffnet sein würden. Es fänden derzeit Verhandlungen mit Großhändlern statt, um die Nahrungsmittelsicherheit in Namibia generell und den Regionen Erongo und Khomas speziell zu garantieren und eine „Preisinflation“ zu verhindern. Gleichzeitig betonte er, im Ernstfall würden die Sicherheitskräfte mobilisiert um eine Einhaltung der Ausgangsbeschränkung zu erzwingen, falls sich die Bürger nicht an die Maßnahme halten, sondern weiterhin „frei umherbewegen“ würden. Ob und in welchem Ausmaß ein Einsatz von Polizei und Militär notwendig werden würde, werde von der Kooperationsbereitschaft der Einwohner abhängen. Die Regierung sei grundsätzlich bestrebt, die Konsequenzen der Einschränkungen auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu „minimieren“. Darüber hinaus teilte er mit, es würden in den kommenden Tagen „zusätzliche Maßnahmen“ verkündet. Bis dahin gelte, dass Bewohner nur mit „gutem Grund“ das Haus verlassen dürften, wenn sie z.B. Verpflegung einkaufen oder eine Apotheke aufsuchen müssten. Diese Einschränkung werde den Betroffenen „gewisse Unannehmlichkeiten“ verursachen, sei aber zwingend notwendig. Schließlich habe die Erfahrung in anderen Ländern wie China und Südkorea gezeigt, dass zur Eindämmung der Pandemie „drastische Schritte“ unvermeidbar seien. Dies unterstrich auch Haufiku mit Hinweis auf Italien, wo es im Februar nur zwei positive Fälle von COVID-19 gegeben habe und die Zahl inzwischen auf über 50000 sprunghaft angestiegen sei. Wenn Namibia eine solches Szenario vermeiden und verhindern wolle, dass sich das Virus in informellen Siedlungen des Landes ausbreite, müssten nun „alle zusammenarbeiten und diesen kollektiven Feind gemeinsam bekämpfen“. Unterdessen sind gestern rund 40 Namibier aus verschiedenen EU-Staaten mit der letzten KLM-Maschine aus Amsterdam in der Heimat eingetroffen. Entgegen der ursprünglichen Planung werden sie nicht im Greiters-Konferenz-Zentrum außerhalb von Windhoek isoliert, sondern im NWR-Rastlager am Hardap-Damm untergebracht und dort die vorgeschriebenen 14 Tage in Quarantäne verbringen. Kurz vor Redaktionsschluss hat die staatliche Fluggesellschaft Air Namibia angekündigt sämtliche Flüge (national, regional und interkontinental) mit sofortiger Wirkung bis zum 20. April einzustellen. Diese Maßnahme sei im Einklang mit den Reise und Flugverboten, die eine Ausbreitung von COVID-19 verhindern sollten. Die Fluggesellschaft stehe jedoch für Charterflüge für Personen bereit, die aus humanitären Gründen ins Ausland fliegen müssten. Außerdem könne Air Namibia für Frachtflüge genutzt werden, wenn beispielsweise Medikamente oder andere lebensnotwendige Waren aus dem Ausland eingeflogen werden müssten.

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